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Über das Wahrnehmen eigener Emotionen, Bedürfnisse und Grenzen

Endlich für mich einstehen, mich und meine Bedürfnisse ernst nehmen, mein Sein in den Mittelpunkt meines Lebens setzen. Und: Ich will mich endlich besser abgrenzen können. 

 

Solche oder ähnliche Wünsche und daraus resultierende Zielsetzungen sind in der Beratung und im Coaching keine Ausnahme. 

 

Der Wunsch nach einem Leben, in dem sich das Individuum gesehen und wertgeschätzt fühlen darf, ist mehr als nachvollziehbar. Dieser Wunsch kommt nicht selten von Menschen, die sich fantastisch um die Anliegen, Wünsche und Bedürfnisse anderer kümmern. Die gelernt haben, dass "man" sich in der Gesellschaft dienlich zeigt. Niemanden vor den Kopf stösst und schon gar nicht das Risiko eingeht , dass irgendjemand negativ denken könnte. Dafür sind sie durchaus bereit, weit über eigene Grenzen hinwegzusehen, sie einstürzen zu lassen und darüber trampeln zu lassen. Nein sagen? Geht nicht, lieber noch einen Tee und Gebäck anbieten. Das erfüllt dann wieder, weil "man" eine gute Tat geleistet hat und andere glücklich sind. Im besten Fall sprechen sie noch ein Lob aus. Nur das mit dem Energieniveau, mit dem glücklich sein,  mit me-time geht irgendwie nie auf.

 

Von vorne. Wir alle sind soziale Wesen und reagieren nicht einfach so, sondern haben gelernt. Gelernt, was passiert, wenn Bedürfnisse geäussert wurden, wenn nein gesagt wurde und wenn das eigene Sein an erster Stelle gestellt wurde. Na, wer von euch da draussen traut sich mit gutem Gewissen, bei geselliger Runde das letzte Guetzli auf dem Teller an sich zu nehmen und genüsslich zu verspeisen? 

 

Vielleicht habe ich Sie ertappt. Das soziale Gefüge hat sie Dinge (oft auch gar nicht mal ausgesprochen) gelernt, die sie nun als Erwachsene nicht mehr weiter hinterfragen. Nicht weil das überhaupt nicht möglich wäre oder Sie gar die kognitiven Fähigkeiten dazu nicht hätten. Nein, weil dieses fiese Gefühl in der Magengrube oder dieser Druck auf der Brust und der eingezogene Kopf mehr Macht über Sie hat, als jede logische Schlussfolgerung. 

 

Und deshalb beginnt die erste Arbeit damit, sich selbst besser kennen zu lernen. Was wollen Sie denn wirklich? Wie steht es um ihre Werte? Ich meine IHRE Werte? Oder erlernte Werte? Wo nehmen Sie ihre Grenzen wahr, wie können Sie diese ins Bewusstsein holen und wie vertreten Sie das Ganze?

 

Das Alleine ist oft eine äusserst emotionale Arbeit. Weil Betroffene damit schnell erfahren, was sie all die Jahre verpasst haben und welch grossen Raubbau sie mit sich machen liessen. 

 

Schritt 1 ist also die Selbstwahrnehmung zu differenzieren. 

Schritt 2 besteht darin, das Wunschszenario auch wirklich und kongruent - also durch und durch stimmig - zu definieren. 

 

Wenn also das Bewusstsein für eigene innere und äussere Räume, die eigenen Emotionen und Bedürfnisse geklärt sind, kann in einem 3. Schritt Abgrenzung trainiert werden. Huch ja, das muss dann auch verbal ausgesprochen werden. Oder besser: Es darf endlich frei ausgesprochen werden. Das bedeutet übrigens nicht, dass das nun der Freifahrtsschein für herablassendes und forsches Reagieren ist. 

 

Aber genau darin besteht die Gefahr.

 

Wer lange, viel zu lange zurückgehalten hat und eine Entscheidung für Veränderung getroffen hat, hat oft wenig Interesse daran, die Schritte langsam und bedacht zu machen. Veränderung sollte dann sofort und jetzt gleich stattfinden. Das führt gut und gerne dazu, dass die Tendenz im Verhalten von einem Extrem ins Andere kippt. Betroffene setzen sich dann übermässig stark für ihre Grenzen ein, sagen ihre Meinung schonungslos ehrlich und gerade aus und nehmen dabei nicht mal ein Brennnesselblatt vor den Mund. 

 

Und genau da sehe ich aus all den hunderten Beratungen die Gefahr, dass die gewünschte Veränderung nicht langanhaltend ist. Warum? Weil dann das Risiko sehr hoch ist, dass genau die ursprünglich vorhandenen Befürchtungen eintreten werden und das Verhalten eher der Prinzessin auf der Erbse oder Hulk gleicht, anstatt des Erwachsenen der sich und die Situation adäquat einzusetzen vermag. 

 

Was also tun? Sobald der innere Raum definiert und gestärkt ist und äussere Grenzen wahrgenommen und vertreten werden können, geht es um den Aufbau resilienter Faktoren. Das heisst, ich muss AUCH in der Lage sein, Situationen aushalten zu können. Die mentale, emotionale und physische Stärke zu haben, standhaft bleiben zu können auch wenn meine Wünsche mal keinen Kommentar dulden. Wenn die Situation oder die Beziehung es verlangt, stellvertretend stark zu sein, auch wenn das nicht meinem aktuellen Bedürfnis entspricht. 

 

Genau darum geht es doch: Sowohl als auch aufzubauen und nicht von einem Extrem zum Andern zu werden und sich hinter wundervoll klingenden Retreats und Purpose-Entwicklungspotenzialen verstecken zu müssen. Was wollen Sie denn wirklich? Ein zufriedenes Leben in Echt führen oder eine billige Kopie einer Feenwelt leben, wo kein bisschen Wind wehen darf, weil die Kulisse sonst einstürzt?

 

Das echte Leben hat ganz schön viele Orkane zu bieten.  Wir alle tun uns also gut daran Wurzeln zu schlagen, die standhaft sein können und Äste mit vielen Blättern zu bilden, die sich der glitzernden Sonne tänzelnd zuwenden können. 

 

Das muss auch gar nicht so anstrengend sein, wie es vielleicht jetzt klingen mag. Wenn das Verständnis für eigenes Befinden und Verhalten mit äusseren Anforderungen des täglichen Lebens abgeglichen werden, ist nach wie vor und oft viel Spielraum vorhanden. 

 

Auch das, keine Garantie für langfristige Veränderung aber ein ganzes Stück Mut und Zuversicht die da drin stecken darf. 

 

Wenn Sie sich mit meinen Worten angesprochen fühlen, eine Meinung dazu haben, teilen Sie diese doch sehr gerne mit uns allen in den Kommentaren oder lassen Sie mir eine Nachricht zukommen. 

 

Herzlich, Tamara 2SOUL

 

 

 

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