"Resilienz ist keine angeborene Eigenschaft. Sie zeigt sich in Fähigkeiten, die wir aufbauen können"
Es gibt Zeiten im Leben, die uns stark an unsere eigenen Grenzen bringen.
Manchmal geschieht das sehr plötzlich: Ein Unfall. ein Verlust. eine Diagnose. Eine Trennung.
Ich selbst stecke gerade mitten drin. Ich hatte anfangs März erneut einen Bänderriss im Knie. Ich habe noch am selben Tag gespürt, etwas stimmt nicht. Dann kam für mich die unvermeidliche Entscheidung: Eine Knie OP. Nun bin ich seit 2 Wochen operiert. Alles ist soweit gut gegangen. Aber mein Alltag ist ein Dilemma. Ich brauche mit den Krücken und der verminderten Belastung für alles 2.5 mal länger, muss extrem umdenken, mich ständig neu definieren und Dinge komplett anders angehen als gewohnt. Das Schlimmste für mich ist die Abhängigkeit. Für so viele Dinge im Alltag benötige ich Hilfe. So bin ich aktuell selbst wieder stark gefordert, jene Ressourcen bewusst zu nutzen über die ich auch in meinen Beratungen spreche. Mit diesen Gedanken ist das 2Soul Resilienzrad entstanden, mehr dazu später.
Aber manchmal sehen wir sie nicht kommen, diese Hürden. Ungünstige Muster schleichen sich ein und werden zur Gewohnheit. Ständig angespannt, unter Druck, das Gefühl nur noch funktionieren zu müssen. Dann die Erschöpfung. Und ein Gefühl, sich selbst zwischen Alltag, Anforderungen und Erwartungen längst verloren zu haben.
Und irgendwann stehen wir vor einer Frage, die viele Menschen beschäftigt:
Warum schaffen es manche Menschen nach einer schwierigen Lebensphase wieder in ihre Kraft zu kommen, während andere daran zerbrechen? Komme ich da jemals wieder raus?
Nun die Antwort ist komplex. Doch ein Begriff, der dabei immer wieder auftaucht ist: Resilienz.
Resilienz bedeutet NICHT, wieder funktionsfähig zu werden!
Wenn Menschen Resilienz hören, denken sie oft an mentale Stärke, Widerstandskraft. Diese Menschen, die scheinbar alles schaffen, immer stark sind und dabei ein Lächeln auf den Lippen haben, stets nett zu allen sind und am Ende noch den Kuchen für das Buffet mitbringen.
Doch so ist es nicht! Auch resiliente Menschen erleben Krisen, schwierige Gefühle und ihre Grenzen.
Resilienz ist schliesslich genau dann gefragt, wenn unser Leben unbequem wird. Dann wenn Pläne zerbrechen und wir uns das Leben komplett anders vorgestellt hätten. Dann wenn wir gefragt sind, das Leben trotzdem zu gestalten.
Krisen verändern uns - ob wir wollen oder nicht.
Herausfordernde Lebenssituationen bringen unser inneres Gleichgewicht ins Wanken. Dinge, die immer funktioniert haben, gelingen auf einmal nicht mehr. Unsere innere Sicherheit geht verloren und die Verbindung in unser Inneres wird geschwächt.
Gedanken kreisen, das Herz wird eng und rast, Gefühle werden schwerer. Dann entsteht oft der Wunsch, schnell wieder "die Alte" oder "der Alte" zu werden.
Nur Veränderung funktioniert selten auf Knopfdruck. Wachstum braucht Zeit und es ist wichtig, dass wir genau hinschauen.
Was Menschen in schwierigen Zeiten trägt
Menschen reagieren äusserst unterschiedlich auf Belastungen. Ihnen stehen unterschiedliche innere und äussere Ressourcen zur Verfügung. Fähigkeiten wie um Hilfe zu bitten, achtsam den Tag zu gestalten und Lösungen zu kreieren, sind kein statischer Zustand von An- oder Abwesenheit, sondern schwanken und können sogar erweitert werden.
Und genau das verstehe ich unter Resilienz: Ich kenne meine Fähigkeiten, nutze sie und will sie ausbauen.
Resilienz ist die Fähigkeit mit sich und dem Leben in Beziehung zu bleiben.
Ich vertrete keine Resilienz die ständige Stärke fordert, Fehler nicht toleriert und Alleingänge verlangt.
Ich vertrete eine Resilienz, die wahrnimmt, was ist und annimmt, was nicht in unseren Händen liegt. Um daraus ein besseres Leben zu erschaffen - was auch immer besser bedeutet. Für die Einen bedeutet es, Lebensumstände umzukrempeln, für ander bedeutet es, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören - sie zu leben und zu vertreten.
Kann Resilienz nun gelernt werden?
Meine Antwort lautet: JA - definitiv!
Resilienz entwickelt sich im Laufe unseres Lebens. Sie wird geprägt durch Erfahrungen und Beziehungen. Und genau so durch erfahrene Krisen und die daraus resultierende Selbstreflexion. Und manchmal auch durch Menschen, die uns in diesen Phasen begleiten.
Resilienz wächst mit vielen kleinen Momenten, die uns die Sicherheit durch neue Erfahrungen schenken.
Sie wächst leider nicht schnell. Sie verlangt uns viel Geduld ab und den Mut uns selbst immer wieder zu begegnen.
Das 2SOUL Resilienzrad
Aus meiner Arbeit mit Menschen, in unzähligen Beratungen und durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Resilienzmodellen ist das 2SOUL Resilienzrad entstanden.
Es verbindet 8 zentrale Bereiche, die uns dabei unterstützen, innere Stärke, Verbundenheit und Entwicklung zu fördern:
- Achtsamkeit
- Akzeptanz
- Selbstwirksamkeit
- Lösungsorientierung
- Kreativität
- Zuversicht
- Zukunftsorientierung
- soziale Verbundenheit
Diese Faktoren zeigen unterschiedliche Wege auf, wie Resilienz wachsen kann. Keinesfalls ist damit gemeint, dass immer alle Faktoren perfekt funktionieren sollen.
Sie sollen uns Varianten eröffnen, wie wir Herausforderungen gesundheitsfördernd begegnen können.
Resilienz ist ein Weg
Vielleicht geht es deshalb nicht mehr darum, Möglichst schnell zu funktionieren und der Mensch zu werden, der wir waren.
Vielleicht geht es nun darum, der Mensch zu werden, den wir heute sein sollen und endlich dürfen!
Schritt für Schritt - im eigenen Tempo - mit eigenen neuen Erfahrungen.
Resilienz ist der Weg zurück zu dir!
Denke daran, du bist nicht alleine mit deinen Hürden. Ein Gespräch kann helfen, neue Perspektiven zu gewinnen und den Raum für weitere Möglichkeiten zu eröffnen.
Alles Liebe, Tamara
P.s.: Das 2soul Resilienzrad wurde durch unterschiedlichen Quellen inspiriert. So auch vom Resilienzzentrum Schweiz.



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